Acrocomia
Industrieller Gebrauch

Transport und Vermarktung

Die geernteten Früchte werden nach Volumen gehandelt, was die Handhabung sehr vereinfacht, denn Gewichtsunterschiede zwischen frischen und getrockneten Früchten bleiben unberücksichtigt.

Der Transport findet anfangs meist per Ochsenkarren und später - von der Sammelstelle - per Lastwagen zur Verarbeitungsanlage statt. Auf Grund der relativ niedrigen Dichte der frischen Acrocomia Früchte (ca. 500 kg pro m³) sowie der hoher Transportkosten ist es empfehlenswert, den Acrocomia-Anbau möglichst nah an der Verarbeitung anzusiedeln.

In der Zeitspanne 2006 bis 2008 wurden in Paraguay Preise von 40 bis 80 US$ pro Tonne Acrocomia Früchte frei Fabrik bezahlt.

Verarbeitung

Der gebräuchlichste industrielle Verarbeitungsprozess besteht darin, die Acrocomia Früchte in ihre Hauptbestandteile zu zerlegen, die Rohstoffe für die Ölgewinnung zu konditionieren, das Öl mechanisch auszupressen (Mesokarp oder Pulpaöl sowie Kernöl), so dass die Nebenprodukte Pulpa- und Kernexpeller sowie Kern- und Außenschale übrig bleiben.

 

Es ist auch möglich, den Pressvorgang mit chemischen Hilfsmitteln (Lösungsmittelextraktion) durchzuführen, um die Ölausbeute zu erhöhen. Diese Bearbeitungsform ist aber nur zu empfehlen, wenn sie entsprechend der Menge der zu verarbeitenden Rohstoffe wirtschaftlich gechtfertigt ist.

Die Ergebnisse der industriellen Verarbeitung hängen stark von der Qualität der verwendeten Rohstoffe ab. Der Erfolg der Ölmühlen wird weitgehend von der Menge und Qualität des Pulpaöls bestimmt, das heute sehr unterschiedlich ausfällt, da die Früchte ausschließlich von wild wachsenden Palmen, ohne jede Pflege sowie unterschiedlichen Erntemethoden kommen. Das Kernöl, das durch die harte Kernschale geschützt ist, fällt dagegen viel einheitlicher aus. .Die Verarbeitungskosten liegen im gleichen Rahmen wie die anderer Ölfrüchte.

Aus den Acrocomia Früchten gewonnene Rohstoffe

Im Gegensatz zu einer Reihe anderer Ölpflanzen ist kein Teil der Acrocomia Pflanze oder Frucht giftig. Dies ist ein großer Vorteil, da alle Teile der Frucht vielfältig verwendet werden können, einschließlich zur menschlichen und tierischen Ernährung.

Die folgenden Erklärungen beziehen sich auf Rohstoffe, die durch mechanische Pressung aus den Acrocomia Früchten gewonnen wurden.

Kernöl: Dies ist der Rohstoff mit dem höchsten Wert, da sein Marktpreis normalerweise über dem anderer Speiseöle liegt. Dieses Öl gehört zu der Gruppe „laurischer" Öle, wie auch des Öl der Ölpalme (Elaeis guineensis) und Kokosöl (Cocos nucifera). Das Kernöl paraguayscher Produktion wird zurzeit ausschließlich national und im Export in den Mercosur gehandelt, obwohl es auch einen gut entwickelten Weltmarkt für diese Ölarten gibt.

Die Verwendung des Kernöls von Acrocomia unterscheidet sich nicht sehr von der Verwendung des Palmöls. Seine Benutzung als Rohstoff für Biodiesel wäre möglich, der Preis dieses Öls lässt die Verwendung aber derzeitig nicht zu. Aus dem Kernöl werden neben Toilettenseifen auch reine Kernseifen hergestellt, die eine hohe Qualität und ein gutes Aroma aufweisen.

Derzeitige und mögliche Verwendung:- Speiseöl- Konditoreien- Toilettenseifen- Waschpulver- Tenside- Biodiesel

Technisch gesehen ist die Umwandlung des Kernöls in Biodiesel möglich, die Forderungen der EU Biodieselnorm EN 14214 können erfüllt werden, bis auf das Kälteverhalten, das in tropischen und subtropischen Ländern aber ohne Bedeutung ist.

Mesokarp - oder Pulpaöl: Das Pulpaöl gehört zu der Gruppe der „palmitico" Öle, dies wegen dem hohen Anteil an saurem Öl. Der Absatzmarkt für dieses Öl ist daher aktuell sehr eingeschränkt. Wenn die erste Biodieselfabrik dieses Öl verwendet, wird sich die Nachfragesituation grundlegend verändern.

Der Preis des Pulpaöls lag traditionell unter dem vergleichbarer Naturöle, wodurch es sich zu einer interessanten Alternative für die Produktion von Biodiesel empfiehlt.

Derzeitige und mögliche Verwendung:- Produktion von Fettsäuren, Seifen,  Waschmitteln sowie von Biodiesel

Technisch ist es möglich, aus diesem Öl Biodiesel herzustellen, der den europäischen Normen (EN 14214) entspricht.

Pulpa - Expeller: Der Expeller stellt den festen Teil dar, der nach der Ölpressung der Pulpa übrig bleibt. Seine Verwendung als Futter, alleine oder als Beimischung, ist weit verbreitet mit sehr guten Resultaten besonders bei Schweinen und Milchvieh.

Die Zusammensetzung ist - entsprechend der Qualität des Expellers - variabel. Folgende Durchschnittswerte können unterstellt werden:

Wassergehalt (max.) Kohlenhydrate Fett (max.) Proteine Energie (Kcal/Kg) Asche (max.) Fasern (max.)
10 % 47 % 13 % 6 % 3240 8 % 21 %

Die große Produktion dieses Rohstoffs pro Flächeneinheit sowie seine hervorragenden Eigenschaften als kostengünstiges Futtermittel machen es zu einer interessanten Option für die Beimischung zu Viehfutter für die Schweinehaltung, Rindermast und die Milchproduktion.

Kernexpeller: Fester Restbestand der Ölproduktion aus dem Acrocomia Kern. Seine Verwendung als Beimischung zur Tierfütterung - rein oder gemischt - hat ebenfalls Tradition in Paraguay und weist sehr gute Resultate aus.

Seine durchschnittliche Zusammensetzung ist folgende:

Wassergehalt (max.) Kohlenhydrate Fett (max.) Proteine Energie (Kcal/Kg) Asche (max.) Fasern (max.)
10 % 31 % 9 % 37 % 3516 8.5 % 16.5 %

Kernschal: Das Exokarp oder Carozo ist der harte Kern, der den Samen umschließt. Die Kernschale hat einen sehr hohen Ligningehalt, der der Kernschale eine hohe Festigkeit und außergewöhnliche Widerstandskraft verleiht.

Auf Grund des hohen Heizwertes, der ca. 50 % über dem von Holz liegt, stellt die Kernschale ein ideales Brennmaterial dar, wodurch Brennholz und darüber die Abholzung gemindert wird. Darüber hinaus ist die Kernschale als Schüttgut sehr gut handhabbar.

Eine weitere Verwendungsmöglichkeit ist die Verkohlung für die Herstellung von Kohlenstoffbrikett, die eine hohe Energiedichte aufweisen. Außerdem ist dieser Kohlenstoff sehr gut für die Herstellung von Aktivkohle geeignet.

Letztlich ist zu erwähnen, dass die Asche der Kernschale ca. 25 % K2O besitzt, sie ist ein guter Dünger.

Außenschale : Auch die Außenschale der Acrocomia Frucht besitzt einen höheren Heizwert als das meiste Holz. Sie wird als Brennmaterial in der Keramikindustrie, zum Beheizen von Dampfkesseln sowie gemahlen als Beimischung zu Futter verwendet.

Das Volumen der Außenschale reicht außerdem aus, um den gesamten Energiebedarf für den Verarbeitungsprozess der Acrocomia Früchte in der Ölmühle bereitzustellen.Letztlich kann sie auch als organischer Dünger verwendet werden. Dies gilt - wie bereits angedeutet - auch für die Asche.

Technische und ökonomische Überlegungen

Eine Tonne industriell produzierten Pulpaöls generiert folgende Nebenprodukte:

Produkte Menge (Tonnen)
Expeller für die Tierfütterung 2.36
Kernöl 0.45
Schalen (Kohlenstoff) 4.5 (1.1)

Jedes dieser Produkte verfügt über etablierte Absatzmärkte, einschließlich Qualitätsnormen, die als Erfahrungen von Paraguay auf andere Länder übertragen werden können.

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